Schwarzfahrer an Bord

Unser Angelverein, der SAV Breitehorn, liegt am westlichen Ufer der Havel im Bezirk Spandau in Berlin. Zu unserem Vereinsgelände gehört ein Bootssteg mit 28 Liegeplätzen, in denen unsere Angelboote liegen. Im Schilfgürtel am Ufer brüten häufig Wasservögel, von Blässralle über Haubentaucher bis zu Stockenten und ab und zu baut wohl auch der Bisam seinen Bau in der Gegend. Der Biber schwimmt immer mal wieder vorbei und versucht ab und an einer Birke, die schräg auf unsere Steganlage wächst zu knabbern.

Eines Tages fand sich dann in der Motorwanne von Maltes Boot ein Nest. In Windeseile hatte eine Blässralle dort Ihr Nest gebaut und mehr als zehn Eier gelegt. Naturschutzrechtlich ist die Sache eindeutig, das Boot liegt damit still, da man das Nest natürlich nicht entfernen darf. Da wir schon öfter damit zu tun hatten, dass gerade Blässrallen (in einem Fall auch ein Bisam) ihre Nester auf Booten bauen, wussten wir auch, dass die Rallen als Stadtbewohner an Menschen gewohnt waren und die Nester auch bei Aktivitäten auf dem Steg nicht verlassen. Selbst Vereinsjugendliche, die unmittelbar neben dem Boot vom Steg aus geangelt haben, störten die Ralle kaum. Kommt man den Tieren zu Nahe, was eigentlich heißt, man will sie streicheln, dann hacken sie aber ziemlich unangenehm mit ihrem Schnabel zu und sorgen schon mal für blutige Hände und Unterarme (der Kollege wollte nur eine Nummer vom Bootsmotor ablesen für eine Ersatzteilbestellung). Die Brutzeit soll 19-24 Tage dauern. Eine lange Zeit für Angler, in denen sie ihr Boot nicht nutzen können. Nicht nur das, unsere Ralle wollte offenbar besonders intensiv und lange brüten. Die ersten Küken schlüpften nach 21 Tagen. Kaum geschlüpft springen die Kleinen ins Wasser und können sofort schwimmen. Eine nette Assoziation über deren Aussehen hatte unser Jugendwart: „Da schwimmen ein paar explodierte Tennisbälle neben deinem Boot“. Ein Problem war nur, dass die jungen Rallen nicht wieder auf das Boot und ins Nest zurückkamen. Dazu war die Bordwand zu hoch. Aber offensichtlich war das nicht weiter schlimm. Fünf oder sechs Küken sind geschlüpft. Die restlichen Eier wurden zwar noch ein Weilchen bebrütet, waren aber wohl nicht befruchtet oder anderweitig geschädigt. Nach vier Wochen konnte Malte endlich wieder mit seinem Boot zum Angeln fahren.