Das Institut für Binnenfischerei (IfB) und das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hatten am 5. November zu einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung nach Potsdam geladen. Vorgestellt wurden verschiedene Umfragestudien und Forschungsergebnisse die für die praktische Angelfischerei durchaus von großem Interesse sind.
Im ersten Vortrag wurde über die Ergebnisse einer Umfrage unter Anglern zur Charakterisierung der Angelfischerei in Berlin und Brandenburg referiert. Aus den Umfrageergebnissen wurden Vorschläge zur Förderung des Angelns abgeleitet um das Hobby noch atraktiver zu gestalten. Der nächste Vortrag beschäftigte sich mit den Erträgen der Angelfischerei in Mecklenburg-Vorpommern. Abgesehen von statistischen Problemen, z.B. eine relativ hohe Differenz zwischen Anglern und ausgegebenen Fischereischeinen, belegen die Zahlen, dass die Angler eine durchaus relevante Anzahl von Fischen den Gewässern entnehmen. Im Vortrag über die angelfischereiliche Bewirtschaftung der Rurtalsperre konnte dargelegt werden, dass auch eine Bewirtschaftung großer Gewässer ausschließlich durch Angler möglich und effektiv sein kann. Sehr deutlich konnte die zur Staumauer hin immer weiter abnehmende Produktivität des Gewässers belegt werden. Danach stellte Prof. Dr. Arlinghaus seine Ergebnisse zu den Einflüssen größenselektiver Angelfischerei auf Fischbestände vor. Einige Studien aus anderen Ländern zeigen, dass die Entnahme großer Fische bei starker Beangelung zu einer merklichen Verjüngung des Fischbestands und damit zu einer geringeren Produktivität führen kann. Eine Studie über die Auswirkungen des catch and release von Hechten machte deutlich, dass die physiologischen Stresssymptome nach kurzer Zeit wieder abklingen. Dabei wurden die Hechte teilweise bis zu 300 Sekunden der Luft ausgesetzt, was durchaus in schlechten Fällen der Dauer des Hakenentfernens entsprechen kann. Es konnte auch in den Folgewochen nach dem Versuch keine Mortalität festgestellt werden. Anhand dreier Beispielgewässer aus Süddeutschalnd wurde in einem weiteren Vortrag die Frage diskutiert, ob sich Bachforellenbesatz in Fließgewässern lohnt. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass dies oftmals nicht der Fall ist. Die Besatzauswirkungen auf den Fischbestand sind in vielen Fällen geringer als erwartet, d.h. es kommt oft nicht zu einer Bestandserhöhung, teilweise aber zu einer Verdrängung der „Altbestände“. Besatzmaßnahmen sollten daher immer wieder auf ihre Auswirkungen kontrolliert werden. Auch der vorletzte Vortrag zum Umgang mit Fischbesatz in Angelvereinen ließ Zweifel aufkommen. In Extremfällen kann der Besatz höher sein als der entnommene Ertrag. Zum Abschluss wurde eine weitere Umfrage zur Bedeutung des Angelns für Behinderte vorgestellt. Wie zu erwarten ist diese höher als bei anderen Menschen, da die Angelei oftmals das einzige Hobby ist, welches dann auch oft das Umfeld des Hauptfreundeskreises darstellt. Hier sollten entsprechend verbesserte Zugänge für Behinderte an die Gewässer geschaffen werden.
Die gesamte Veranstaltung war durchweg hochinteressant und zeigte einmal mehr, dass Forschung und Wissenschaft durchaus praxisorientierte Ergebnisse liefern.